Dienstag, 30. Juni 2009

Flugkatastrophe vor Komoren

14-Jährige überlebte den Flugzeugabsturz bei Komoren

Ein Airbus A310 der Yemenia Airways stürzte in der Nacht auf den Dienstag vor der Küste der Komoren beim Landeanflug in den Indischen Ozean ab. Von den 153 Personen an Bord hat laut ersten Berichten mindestens ein Mädchen die Katastrophe überlebt.

Der Flug zum Archipel der Komoren östlich von Afrika hatte am Montag in Paris auf dem Flugplatz Roissy mit einem Airbus A330 der staatlichen yemenitischen Fluggesellschaft Yemenia begonnen. In Marseille stiegen dann noch einmal 78 Personen zu. Bei einer Zwischenlandung auf dem Flugplatz von Sanaa (Yemen) mussten die Passagiere für die Fortsetzung der Reise nach Moroni, der Hauptstadt der Komoren, in ein anderes Flugzeug, einen bereits 19-jährigen Airbus A310 mit 52'000 Flugstunden, umsteigen. Nach einem weiteren Zwischenhalt in Dschibuti unternahm der Pilot dieser Maschine zuerst einen erfolgslosen Landungsversuch in Moroni und setzte dann zu einem zweiten Anflug an, als sie aus noch ungeklärten Gründen wenige Kilometer vor der Küste ins Meer abstürzte. Ein komorischer Regierungssprecher erwähnte schlechte Wetterbedingungen. Von den 142 Passagieren und elf Besatzungsmitgliedern hat laut komorischen Berichten eine 14-jährige Jugendliche das Unglück überlebt. Sie hatte sich an ein Wrackteil geklammert und konnte geborgen und in Spitalpflege gebracht werden. Fischer und Rettungsmannschaften, die von Frankreich ausgehend von den benachbarten Inseln Mayotte und La Réunion unterstützt werden, suchten an der bereits bekannten Unfallstelle noch nach weiteren eventuellen Überlebenden. Inzwischen wurden bereits die beiden Flugschreiber lokalisiert.

Nur einen Monat nach dem Unglück der Air France beim Flug von Rio nach Paris ist der Schock in Frankreich nach dieser neuen Katastrophe der Zivilluftfahrt besonders gross. 66 der Passagiere sind französische Staatsangehörige, bei den übrigen handelt es sich mehrheitlich um in Frankreich wohnhafte Bürger dieser seit 1975 unabhängigen ehemaligen französischen Kolonie. Allein in der Region Marseille lebt eine komorische Gemeinschaft von rund 80'000 Menschen, die für ihre Besuche in der Heimat praktisch keine Alternative zu den Flügen der Yemenia haben, über deren Vorstellungen von Sicherheit und Service sich diese Exilkomorer wiederholt beschwert hatten. Darum mischt sich jetzt in die Trauer der hinterbliebenen Angehörigen und Bekannten der mutmasslichen Opfer der Katastrophe auch helle Wut. Ein Sprecher der Vereinigung "SOS Voyages Comores", die in Marseille vor einem Jahr eine Protestkundgebung gegen die Flugbedingungen der staatliche yemenitische Fluggesellschaft organisiert hatte, war ausser sich: "Für uns Komorer setzt die Yemenia jeweils ab Sanaa Wracks und fliegende Särge ein. Was jetzt passiert ist, musste früher oder später geschehen."

Der Konsul der Komoren in Marseille teilt diese Empörung seiner Landsleute. Diese Probleme auf der Verbindung zwischen Sanaa und Moroni seien leider sogar bezeichnend für die bedrohliche Situation auf gewissen Flugverbindungen in Entwicklungsländern. Am Nachmittag kam es im Flughafengebäude von Marseille-Marignane zu Handgreiflichkeiten zwischen der Polizei und jungen Komorern, die sehr aufgebracht verlangten, die Yemenia müsse die bisher nicht offiziell veröffentlichte Passagierliste bekannt geben.

Laut dem französischen Staatssekretär für Verkehr, Dominique Bussereau, hatte die Unglücksmaschine, die bis 1999 der Air France gehört hatte, in Frankreich Flugverbot seit einer Inspektion von 2007, bei der gewisse Mängel und Unregelmässigkeiten festgestellt worden seien. Die Yemenia Airways stand nicht auf der Schwarzen Liste der besonders gefährlichen Gesellschaften, wurde aber überwacht.

Vor voreiligen Schlüssen warnte der Ex-Linienpilot Gérard Feldzer, Direktor des Luftfahrtmuseums von Le Bourget. Erstens bestehe zwischen der Katastrophe der Air France vom 1. Juni über dem Atlantik und der dem gestrigen Unglück vor der Küste der Komoren keinerlei Zusammenhang oder Analogie. Zweitens bedeute der von den Komorern beanstandete Zustand des Inneren eines betagten Flugzeugs noch lange nicht, dass auch die von externen Firmen durchgeführte technische Wartung der Triebwerke unzureichend sei. Er kenne einige der Piloten der Yemenia, die mehrheitlich aus Saudiarabien stammten und seiner Ansicht über die erforderlichen Kenntnisse verfügten.


Rudolf Balmer, Paris
30.6.2009

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